Digitalisierung – Keine Frage der Technik

Elisabeth Schloten
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Inhalt

Wir sprechen in unserem Blog oft über technische Themen, und wenn ich Zuhörer bei Vorträgen frage, was Digitalisierung für sie ist, bekomme ich meistens technische Antworten. Software, Hardware, Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz und vieles mehr. Manchmal fallen auch Begriffe wie Digitale Prozesse oder elektronische Akten.

Aus meiner Sicht greift das jedoch zu kurz, daher ist der heutige Blog-Artikel einem ganz anderen Bestandteil der Digitalisierung gewidmet.

„Digitalisierung ist vor allem eins: Veränderung. Veränderung, ermöglicht und getrieben durch Technologie. „

Digitalisierung verändert, wie wir arbeiten, wie wir kommunizieren und wie wir leben. Und weil es so eine umfassende Veränderung ist, macht sie vielen von uns Angst.

Wie reagieren Menschen auf Veränderungen?

Aus der Psychologie wissen wir, dass es ganz natürlich ist, dass Menschen Veränderungen eher kritisch gegenüberstehen. Veränderungen verlangen von einem, dass man seine Komfortzone verlässt und etwas Neues probiert. In dem Neuen ist man noch nicht kompetent, wodurch Unsicherheit entsteht. Hier eine schöne Grafik zu dem Thema:

Der erste Schritt aus der Komfort-Zone ist mit Angst verbunden

Die Grafik macht deutlich, dass Menschen für jede Veränderung einen Prozess durchmachen müssen – sie müssen es mindestens von der Komfort-Zone durch die Angst-Zone in die Lern-Zone schaffen, idealerweise in die Wachstums-Zone. Dann wird all das neu Erlernte Teil der jetzt gewachsenen Komfort-Zone, und man kann sich gemütlich in der neuen Welt einrichten. Aber wer von uns gibt schon gerne zu, sich unwohl und nicht kompetent zu fühlen? Wer wagt freiwillig den Schritt in die Angst-Zone? Einer der Hauptgründe für das Scheitern von Digitalisierungsprojekten ist, dass die Menschen nicht genug Anreize und Ermutigung erhalten, ihre Komfortzone zu verlassen. Erfolgreiche digitale Produkte und Services schaffen es, diese Hürde zu nehmen. Denn es gibt einige gute Gründe und Anreize, Menschen dazu zu bringen, ihre Komfort-Zone zu verlassen.

Sehen wir uns ein paar erfolgreiche digitale Services an:

Google Maps ersetzt fast vollständig Papier-Landkarten. Was sind die Erfolgsfaktoren?

  1. Die Infrastruktur / Hardware ist schon da: Fast jede(r) hat ein Smartphone. Die Anschaffungshürde ist zwei oder drei Klicks im App Store.
  2. Es kostet nichts, ist also billiger als das zu ersetzende Produkt.
  3. Es ist unheimlich einfach zu bedienen.
  4. Es hat einen riesigen Mehrwert gegenüber dem zu ersetzenden Produkt: Es führt mich, ohne dass ich nachdenken muss, zu jedem Ziel.
  5. Ein weiterer Mehrwert ist durch Skaleneffekte dazugekommen: Google Maps weiß genau, wie der Verkehr ist, und schickt mich die schnellste Route entlang (meistens).

Online Shopping ersetzt zunehmend den stationären Handel. Was sind die Erfolgsfaktoren?

  1. Die Infrastruktur / Hardware ist schon da: PCs, Laptops, Smartphones, Tablets, Fernseher etc.
  2. Der Verbraucher kann das gleiche Ergebnis wie beim zu ersetzenden „Produkt“ mit viel weniger Aufwand erhalten
  3. Die guten Online Shops sind äußerst einfach zu bedienen, bis hin zu 1-Click Bestellungen
  4. Retouren sind extrem einfach und kostenlos, erhöhen den Aufwand also nicht maßgeblich
  5. Mehrwert: viel mehr Auswahl
  6. Mehrwert: grenzenloser Preisvergleich
  7. Mehrwert: Sofortige Bedürfnisbefriedigung

Was haben diese Beispiele gemeinsam?

  1. Die Veränderung, das Verlassen der Komfortzone, wurde dem Nutzer so leicht gemacht, dass er fast gar nicht gemerkt hat, dass er sie verlassen hat
  2. Die Mehrwerte der neuen Services sind so groß, dass sie die Neugier der Menschen wecken
  3. Die Menschen können die neuen Services allein und im Stillen ausprobieren, wo niemand ein mögliches „Versagen“ mitbekommen kann. Und wenn man Fehler macht, gibt es keine großen Konsequenzen.
  4. Spielerische, angenehme Wohlfühl-Benutzeroberflächen, bei denen man nicht viel nachdenken muss. Wenn ein Online-Shop mir das nicht bietet, kaufe ich woanders.

Was können wir aus diesen Beispielen für Digitalisierungsprojekte in Unternehmen lernen?

  1. Digitalisierungsprojekte müssen (mindestens) einen für die Mitarbeiter greifbaren Mehrwert haben. Nur wenn die Menschen verstehen, warum digitalisiert wird, sind sie bereit, einen Schritt aus ihrer Komfortzone herauszugehen.
  2. Die Mitarbeiter müssen ein klares Bild des Ziels haben. Sie müssen sich vorstellen können, was hinter der Angst-Zone auf sie wartet – wohin geht die Reise?
  3. Das Neue, sei es ein digitaler Prozess, Technologie oder ein neues, digitales Geschäftsmodell, muss intuitiv zugänglich und einfach sein. Bei der Prozessdefinition und der Auswahl von Benutzeroberflächen muss das eine sehr hohe Priorität haben.
  4. Am besten ist der erste Teil der Veränderung spielerisch und spricht die natürliche Neugier an.
  5. Neue Verhaltensweisen müssen langfristig etabliert werden, d.h. durch eine einfache Bedienung und klare Mehrwerte sollte es Anreize geben, immer den neuen Prozess zu nutzen. Das sollte aber auch kontrolliert und immer wieder aktiv ermutigt werden.

Die Weichen für den Erfolg von Digitalisierungsprojekten werden oft schon ganz am Anfang gestellt. Wird dem Thema Kulturwandel genug Zeit und Aufmerksamkeit, und auch Mittel, gewidmet? Steht das Führungsteam voll hinter dem Thema? Ist die Vision klar? Dann kann die Veränderung gelingen. Und eine der größten Veränderungen, die die Digitalisierung bringt, ist, dass sich alles immer schneller verändert – lebenslanges Lernen muss mehr denn je Teil der Unternehmenskultur werden.

Haben Sie noch Fragen zum Thema? Sie möchten mehr darüber wissen? Schreiben Sie einen Kommentar oder kontaktieren Sie uns unter digital@ecbm.me

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