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Digitales Lean Six Sigma - Tradition trifft Industrie 4.0

Lean Six Sigma hat seine Relevanz in der Produktion nie verloren. Heute wird es auch viel in Verwaltung und Dienstleistung verwendet. Macht die Digitalisierung Lean Six Sigma überflüssig? 

Falls Sie in der Produktion gearbeitet haben oder noch arbeiten, ist Lean Six Sigma wahrscheinlich fester Bestandteil Ihrer Arbeit. Jeder Prozess und jeder Arbeitsplatz ist klar definiert, messbar, kontrollierbar und unterliegt der ständigen Verbesserung. Sie kennen tägliche Kurzbesprechungen und die entsprechenden Tafeln und Berichte. Sofern Sie in einer Leitungsfunktion in der Produktion sind, kennen Sie Waste Walks und die ständige Suche nach Verschwendung.  Ich hatte das Glück, sehr früh in meiner Karriere für ein Unternehmen zu arbeiten, das diese Grundsätze fest verinnerlicht und implementiert hatte. Alle Mitarbeiter in Leitungsfunktionen waren für die Vermeidung von Verschwendung und die Kontrollierbarkeit von Prozessen mit zuständig. 

 

Im Kundengespräch kam die Frage auf, ob unsere Vernetzung und der lernende Algorithmus in der Produktion Lean Six Sigma ersetzen würde - vor allem wenn sich die Produktion zukünftig zum großen Teil selbst steuert.

 

Für mich ist die Antwort eindeutig: Digitalisierungstechnologien sind Werkzeuge, die im Dienst von Lean Six Sigma eingesetzt werden können. Wenn man einen Prozess, der ineffizient ist und zu Qualitätsproblemen mit dem Endprodukt führt, auf digitale Technologien überträgt, hat man am Ende immer noch keinen guten Prozess. Vielleicht hat man mit Technik den einen oder anderen Handgriff gespart, aber eine große Chance vertan. Deshalb ist es immer sinnvoll, mit dem Prozess anzufangen, und Lean Six Sigma ist eine gute Methodensammlung dafür. Hieraus stammt auch der Waste Walk.

 

Wir führen einen Digitalen Waste Walk im betroffenen Unternehmensbereich durch. Dabei analysieren wir den gesamten Prozess auf Verschwendung hin mit einem Fokus auf "digitaler Verschwendung". Das bedeutet, dass wir den Prozess und die zugehörigen Arbeitsplätze von Anfang bis Ende beobachten und viele Fragen zum Prozess und der eingesetzten Technologie stellen. Auf der einen Seite notieren wir alle Ineffizienzen, mit einem Schwerpunkt auf denen, die durch das Fehlen von Digitalisierung verursacht werden. Auf der anderen Seite achten wir auf alles, das vom gewünschten Ergebnis für den Endkunden ablenkt. Wir analysieren auch verfügbare Zahlen über Output, Qualität, Effizienz etc. Im Anschluss daran erarbeiten wir eine Kombination aus Prozessverbesserungen und digitalen / technologischen Verbesserungen, die den Prozess auf ein neues Qualitäts- und Effizienzniveau bringen können. 

 

Beispiele für solche Verbesserungen können sein:

  • Prozess: Die Transportwege in der Produktionshalle oder zwischen Produktion und Lager neu definieren
  • Digitalisierung: Autonome Gabelstapler auf den neuen Wegen fahren lassen
  • Prozess: Fadendicke am Ende eines Vorgangs messen
  • Digitalisierung: Ergebnisse automatisch in eine Datenbank eintragen lassen und automatisiert analysieren, ob es einen Zusammenhang zwischen Fadendicke und späteren Qualitätsproblemen gibt
  • Prozess: Aktionsorientierte Kurzbesprechung am Ende der Schicht
  • Digitalisierung: Automatisierte Bereitstellung relevanter Daten und Nachhaltung von Aktivitäten auf dem Bildschirm an der Produktionslinie. Automatisches Hervorheben von Anomalien und Zusammenhängen.

Für diesen Digitalen Waste Walk benötigt man eine Kombination aus Prozess-Experten, Digitalisierung-Experten und Experten für den betroffenen Unternehmensbereich. Der Digitale Waste Walk und die anschließenden nachhaltigen Verbesserungen in Prozess und Einsatz von Digitalisierung erhöhen die Kundenzufriedenheit und die Effizienz sowohl in der Produktion als auch in der Verwaltung oder bei der Erstellung von Dienstleistungen.

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